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:: Autoren & Zeichner
Rolf Kauka - Deutschlands grösster Comic Macher
Rolf (Paul Rudolf) Kauka, geboren am 9. April 1917 in Markranstädt bei Leipzig, als Sohn eines Schmiedemeisters, war als junger Berufsoffizier aus dem Krieg zurückgekommen. Ein alter Uniformrock und ein Knotenstock waren nicht gerade die Kapitaldecke, mit der man eine neue Existenz aufbauen konnte. Allerdings gelang es ihm, mit etwas Gespür, festzustellen, was den Menschen in den ersten Nachkriegsjahren fehlte: Die Studenten hatten keine Lehrbücher. Mit seinem Freund Dr. Norbert Pohl schrieb er die Elemente der Rechtswissenschaft, eine Kurz-Lehrbuchreihe für Jurastudenten der Behelfsuniversitäten. 1949 lernte er Heinz Ullstein und Harry-Schulze Wilde kennen. Zusammen gründeten sie den Heinz-Ullstein-Verlag und die Münchner Verlagsbuchhandlung. Aber bereits in der Schule, vor seinem Abitur und während seines Studiums der Betriebswirtschaft, zeichnete er Comics und veröffentlichte diese in den lokalen Zeitungen.
Mit Nescafé zum Erfolg?
Anfang der 50er erschien ein von Kauka selbst gezeichnetes Heft, Till Eulenspiegel, in welchem der Held nicht der Narr mit der Schellenkappe war, sondern ein junger Bursche, mit roter Bommelmütze und schickem Pullover. Seine Streiche waren allesamt brandneu und in den Heften kamen Flugzeuge und Autos genauso vor, wie Unterseeboote und Nescafé. Kurz zuvor lernte er in in Deutschland lebenden niederländischen Maler Dorul van der Heide kennen. Mit ihm fing Rolf Kauka dann eine Serienproduktion seiner Comics an und gründete in München den "Kauka-Verlag".
Durchbruch mit den Füchsen
Außerdem gab es Geschichten aus der Fabelwelt. In Heft 5/1953 von Eulenspiegel verarbeitete er die Geschichte von Meister Reinecke und dem Wolf. In Heft 6/1953 traten erstmals die Kinder des Fuchses auf, genannt Fix und Foxi! Schnell erreichten Sie eine absolute Beliebtheit bei den Lesern und mit Heft 10/1953 gab es das erste Sonderheft nur mit den Füchsen.
Rolf Kauka nahm die besondere Verantwortung, die ein Verleger von Kinder- und Jugendliteratur hat, immer sehr ernst: "Eine klare Zielvorgabe, deren Ausrichtung in der Hauptsache die Produktion von Spass und Freude sein muss - der ökonomische Aspekt ist sekundär!" Die konsequente Umsetzung dessen war sicherlich neben der Kreativität das Geheimnis seines großen Erfolges. Mitte der fünfziger Jahre lerne er dann den deutschstämmigen Zeichner Walter Neugebauer im damaligen Jugoslawien kennen. Neugebauer war schon als "Jugoslawischer Walt Disney" bekannt, doch ihm fehlten dort die Mittel. Kauka und Neugebauer wurden Freunde und Walter Neugebauer siedelte nach München über. Dort bearbeitete er die beiden Figuren "Fix & Foxi" zu reinen Funny Figuren nach Vorgaben von Rolf Kauka. Immer mehr Zeichner wechselten von Jugoslawien nach München. Neugebauer wurde als Art-Director Chef des Zeichnerteams, Rolf Kauka übernahm die unternehmerische Führung des Verlages.
Da wurde selbst die Maus blass!
Schnell wurde Eulenspiegel aus dem Heft verbannt und widmete sich ganz den beiden Jungs. In Kooperation mit dem Verleger Erich Pabel erschien nun das in Fix und Foxi umbenannte Heft. Eine Begegnung mit Walt Disney, der Rolf Kauka in die USA holen wollte, zeigte ihm auf, das er hier in Europa ähnliches machen konnte, wie Disney in den USA. Er trennte sich von Pabel und baute seinen eigenen Verlag auf. Es erschienen u.a. Lizenz-Ausgaben von Fix und Foxi in Belgien und selbst Mexiko. Rolf Kaukas Fix und Foxi erreichten Auflagen von bis zu einer halben Millionen. Dazu zahlreiche Nebenprodukte, wie Fix & Foxi Tip Top, Lupo, Jahrbücher und Sonderhefte oder Primo und Pepito. Rolf Kaukas Fix & Foxi waren damit erfolgreicher als Micky Maus und Donald Duck von Walt Disney in Deutschland!
Aber nicht nur Fix & Foxi stammen aus dem Hause Kauka, sondern unzählige weitere Figuren, wie "Pauli", der Maulwurf, "Tom & Biberherz", "Fridolin", "Bussi Bär" und natürlich "Lupo" um nur einige zu nennen! 1973 verkaufte Kauka seinen Verlag an ein britisch-holländisches Konsortium und gründete die Münchener Comic-Akademie. Eng verknüpft mit Rolf Kaukas erstem abendfüllenden Zeichentrickfilm "Maria O'Doro und Bello Blue". Doch kurz nach deren Gründung rief der Springer-Verlag aus Hamburg. Er sollte das europäische Comic-Magazin ZACK aus einer tiefen Krise führen.
ZACK ruft um Hilfe!
Rolf Kauka machte sich also mit seinen Leuten Peter Wiechmann und Fred Kipka nach Hamburg auf. Gedacht war an eine Mischung aus dem bewährten ZACK Material mit Comics, wie z.B. Michel Vaillant, Dan Cooper, Rick Master oder Bruno Brazil mit von Rolf Kauka produziertem Material. Doch leider passte es nicht, so das man sich nach einem halben Jahr wieder trennte. Wahrscheinlich hatte Rolf Kauka da auch schon etwas anderes im Kopf, aber diesmal ging es um Privates: 1975 lernte er seine jetzige Frau Alexandra kennen und heiratet sie. Für Rolf Kauka war es die vierte Ehe, für Alexandra Kauka die zweite.
Das Ende von Fix & Foxi?
1994 eine erneute Krise um Fix und Foxi. Der Verlag stellte im August des Jahres das Erscheinen auf monatlich um, der Comic-Anteil -oft eh nur noch Nachdrucke älterer Geschichten- wurde drastisch gekürzt um Platz zu machen für jugendlich orientierte Elemente, die "Bravo"-ähnlich waren. Rolf Kauka zog endgültig die Notbremse! Trotz der Verkäufe hat er sich immer alle Rechte an seinen Figuren bewahrt und verbot dem Verlag die weitere Herausgabe von Fix und Foxi. Das Heft wurde eingestellt! Erst dann merkten viele, was Rolf Kauka erschaffen hat: Deutsche Kultur, denn die Republik war erschüttert. Fernsehsender reisten in die USA -Rolf Kauka lebte inzwischen auf einer Farm in der Nähe von Atlanta- um mit ihm zu sprechen. Fast alle Tageszeitungen berichteten in grossen Artikeln über das Ende des Heftes!
Fuchsen wir's? Auf geht's!
Doch in einem Fernsehinterview mit dem ZDF versprach er allen Fans von FIX und Foxi, dass es neue Geschichten geben würde. Dieses Versprechen hielt er ein, denn er arbeitete bereits an einer FIX und FOXI Fernsehserie, die er mit der Ravensburger Film und TV GmbH, der späteren RTV Ravensburger Family Entertainment AG produzierte. Rolf Kauka vergab an die RTV auch weitreichende Lizenzen für weitere Fix & Foxi Produkte, wie Uhren, Kissen, Nahrungsmittel, Spielzeug etc. und konnte die größte Merchandising Welle in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland damit anstoßen. Fix & Foxi waren zurück!
Doch Rolf Kauka wollte auch Fix & Foxi zu ihren Ursprüngen zurück führen. In einem Interview im ZDF sagte er einige Jahre zuvor, als das urspüngliche FF Heft eingestellt wurde, das er FF nicht einstellen, sondern ruhen lassen wollte. Im Alter von 76 Jahren übernahm Rolf Kauka wieder das Ruder bei Fix & Foxi. Zur Überarbeitung von Fix & Foxi holte er Gisela und Kurt Italiaander auf seine Plantage in die USA. Beide waren bereits früher für ihn tätig. Besonders Gisela Italiaander war bereits seit 1959 im Kauka Verlag und lange Zeit die Tusche-Zeichnerin und Lebensgefährtin des inzwischen verstorbenen Walter Neugebauer. Kurt Italiaander ist in den sechziger Jahren hinzu gekommen. Zusammen mit Rolf Kauka lebten Neugebauer und die beiden Italiaanders lange Zeit auf dem Gut "Kaukasien" bei Freising, das Kauka in den sechziger und siebziger Jahren gehörte. Später heirateten Gisela und Kurt Italiaander.
Auf deren Talent wollte Rolf Kauka nun zurück greifen. Wollte er doch auch zusätzlich noch einmal neue Figuren schaffen. Zusätzlich zur Überarbeitung von Fix & Foxi entstand die "Familie Peppercorn". Insgesamt bürdete sich Rolf Kauka ein Arbeitspensum auf, das selbst für jüngere Leute hart zu bewältigen gewesen wäre. Eine Fix & Foxi Fernsehserie und die TV-Abenteuer der Peppercorn Familie sollten entstehen. Bei der Vergabe der Lizenzen prüfte Rolf Kauka persönlich jedes Produkt. Und auch das Fix & Foxi Comic Heft sollte zurück kehren.
Dass er der "deutsche Walt Disney" genannt wurde, hörte Rolf Kauka gar nicht so gerne, denn er berufte sich darauf, das seine Comics eher aus der deutschen Erzähler-Tradition, wie z.B. Wilhelm Busch's Max und Moritz stammt und damit gegen die amerikanischen Comics zielt. Sicher ist aber, das Rolf Kauka sich im Gegensatz zu Walt Disney sehr viel stärker um seine Comics kümmerte und oft noch täglich um 9.00 Uhr im Büro ist und bis Abends arbeitete. Persönlich nahm er jede Fernsehfolge ab, änderte, wenn er meinte, das etwas nicht passt und baute nachdem Crash mit Pabel-Moewig seine Kauka Comic Produktion erneut auf. Diesmal aber auf seiner Farm in den USA. Von dort leitete und überwachte er sämtliche Geschäfte, was im Zeitalter von Fax und Internet ja kein Problem mehr war. In einem Alter von über 80 Jahren, in der andere längst ihren verdienten Ruhestand haben, war Rolf Kauka wieder aktiver denn je. Ausserdem erhielt Rolf Kauka das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.
Eine Familie braucht jeder!
Seine letzte Kreation war die Comic-Serie "Peppercon-Family", die er speziell im Rahmen der Fix & Foxi TV Serie erfand. In Comic Form gab es die Peppercon Familie erstmalig in Heft 5 / 2000 des Fix & Foxi Comic-Magazins. Auch in den neuen Comic Heften lies Rolf Kauka es sich nicht nehmen wieder ein Vorwort zu schreiben. Noch im Herbst 2000 wollte Rolf Kauka noch einmal nach Deutschland und bereitete bereits seine Reise vor. Doch dazu kam es nicht mehr. Für alle überraschend verstarb Rolf Kauka am 13. September 2000 auf seiner geliebten Plantage "Chinquapin" in Thomasville, Georgia, USA.
Von nun an kümmert sich seine Frau Alexandra Kauka um die Fix und Foxi Comics. Ganz im Sinne von Rolf Kauka und nach seinen Vorgaben. Schaute Alexandra Kauka doch jahrelang ihrem Mann über die Schulter und war sie doch in den letzten Jahren bereits Präsidentin von Rolf Kaukas Medienunternehmen "Promedia, Inc.", dem Nachfolger des "Kauka-Verlages". Mit klaren Zielvorgaben, den gleichen starken Willen, den Rolf Kauka hatte, aber ihren ganz persönlichen Charme führt sie Rolf Kauka's Lebenswerk fort. Denn die Comics von Rolf Kauka sollen nach dem Willen seines Schöpfers weiterleben. Sein Vermächtnis an die Kinder dieser Welt und die vielen jung gebliebenen Fans von Fix & Foxi und Co!